|
Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Romeo und Julia, Leyla und Mecnun oder Ferhat und Şirin. Wahrscheinlich kennt sie jeder. Und man denkt sich "hach, schön, doch leider nur ein Märchen..". Aber, man glaubt es kaum, genau sowas passiert tagtäglich! Wo? Hier in Deutschland ! Gleich um die Ecke! Ein guter Freund hat es mir erzählt, und ich erzähl sie jetzt euch ... |
|
Während unsere beiden Heldinnen Mihriban und Magda sich kennenlernen
und über Cems Vergangenheit lästern, treibt der sich in der Spielhalle rum.
Er erzählt seinen Jungs, was los ist, nicht zuviel natürlich. Nur daß da etwas mit Mihriban läuft, und daß sie anscheinend Probleme hat. Um ihn herum sind Yavuz, Arif, Tekirdağlı, Murat und Veli, einer der jüngeren Magandas. Veli ist der jüngste Bruder von Osman, der vor zehn Jahren mit der Maganda- und harte-Männer-Geschichten aufgehört hat. Murat und Tekirdağlı zocken wieder einmal Tekken 3. |
Tekirdağlı zieht Murat voll ab und lacht dabei dreckig fies
(typisch Tekirdağlı), aber auch kein Wunder, hat er doch Hwoarang und Murat Nina genommen.
Yavuz und Arif quatschen über Arifs Probleme mit seiner Noch- Ehefrau und dem ungeborenen Kind. Cem will sich mit "Raiden" ablenken, als plötzlich Ahmet durch die Tür schreitet. |
|
"Siktiiir!" denkt Tekirdağlı, der ihn als erster erblickt. Sofort lassen Murat und er das Spiel sein und gehen auf Ahmet zu. Und der ist scheißsauer. Ist aber auch verständlich. Seine Schwester sollte vor ein paar Stunden verlobt werden (inklusiver geistlicher Hochzeit) und dann verschwindet sie. Und wer ist der Hauptverdächtige? Unsere Kante natürlich. Jetzt werden auch Arif und Yavuz aufmerksam. "Äääät, bak sen kim geliyor..." Arif steht auf, hat aber kein bißchen Bock auf eine Schlägerei. "Hoop, Ahbap... nereye böyle?" fragt Tekirdağlı den anscheinend sehr wütenden Ahmet. "Geht dich nichts an... ." flüstert Ahmet leise, doch streng und taxiert Tekirdağlı mit solch einem kalten Blick an, daß selbst Cem eifersüchtig werden könnte. |
"Hör zu, harter Kerl... ." mischt Yavuz sich ein "wenn
du Probleme willst, kannse auch von uns haben."
"Das ist nicht deine Geschichte... tamam mı, ben sadece konuşacağım." flüstert Ahmet seine Faust ballend. "Nur reden? Okay. Aber bei der kleinsten Aktion ficken wir dich, harter Mann!" spricht Tekirdağlı für alle. Ahmet sagt nichts, sieht nur zu Cem, der immer noch Raiden zockt. Er kommt näher, bleibt neben Cem stehen. Seine Hand gleitet in seine Jackentasche. Schon will Murat, unser Autos verkaufender Student, losstürmen, da merkt er, daß es nur die Brieftasche ist. Aha! Was jetzt? Konyalı Ahmet holt eine Mark aus seiner Brieftasche. Dann setzt er sich rechts neben Cem, schmeißt die Mark in den "Raiden "- Automaten und übernimmt den blauen Kampfflieger. |
|
Cem sagt nichts.
Ahmet flüstert:" Ich nehme den Streuschuß und du den Laser." Cem nickt. Was mag nur in den Köpfen vorgehen, denken sich die anderen. Orhan, Ahmet und Mihribans kleinerer Bruder, ist genauso geschockt, hat er doch einen Ballermann mitgebracht für alle Fälle. Während alle in der Spielhalle staunen, überlegt Ayşe, welche in Ahmets Auto wartet, was zu tun ist. Abhauen ist nicht drin. Dann würden Mihribans Brüder sofort was checken. Sie ist ja nicht ganz unschuldig an den Ereignissen. "Hoffentlich verrät Cem mich nicht", denkt sie sich. Verlassen wir diesen gespannten Schauplatz und wandern zu Mihribans Eltern. |
Eieiei... immer noch chaotisch.
Die meisten Nachbarn und Freunde, beziehungsweise Pseudofreunde, sind schon abgezischt um zu Hause diese ach-so-traurige Nachricht weiterzuleiten. Jaja... so sind sie, unsere Türkinnen und Türken. Nach außen solidarisch und religiös manifestiert, innen sind es nur simple, neidische Lästermäuler, die nicht ein Tausendstel ihrer Religion erkannt haben. Die meisten sind sogar froh, weil sie selber beschissen viele Probleme haben. Bei den Männern ist es nicht anders.
|
|
Die meisten sitzen in deutsch- türkischen
Kulturhäusern (so werden Zockercafes und Teestübchen auch
genannt, damit die deutschen und türkischen Mittvierziger
Kulturaustausch betreiben können.
In solchen Cafés wimmelt es nur so von Alemannen.
So um die 90 % müßten blauäugige, blonde teeschlürfende
türkischfreundliche Germanen sein, die ‘51‘ zocken.).
Die haben das Geschehen schon wieder verdrängt und diskutieren, wer Meister wird: Beşiktaş, Galatasaray oder Fener, ein paar Abtrünnige glauben sogar an Trabzonspor oder Tekirdağspor. Natürlich kommen die Spitzenfavoriten wieder aus einer Stadt, was ein bißchen ironisch ist. Der Sauerstoffgehalt in den Kulturhäusern beträgt wie jedes Mal 7,38 %, 92, 01 % verrauchten Marlboro- und Tekel 2000- Atem. Die restlichen 0, 61 % sind die biologischen Abgase vom letzten Bohnenessen. Und was läuft bei Mama und Papa Kurtuluş ab? |
Die Mutter weint immer noch in der Küche, währen ein paar Verwandte sie trösten.
Papa Kurtuluş ist stinksauer, will sich aber nichts anmerken lassen.
Also glotzt er Fernsehen. Raffiniert, was? Im Fernsehen bringen sie einen Bericht über Elvis. Den neusten Umständen nach soll Elvis doch aus Ankara stammen und ein Cousin zweiten Grades von Atatürk sein, obwohl der wiederum in Saloniki geboren ist. Hmm, ich glaube eher, daß Elvis aus Thrakien kam; so Çorlu oder Tekirdağ, die Ecke rum. Wie auch immer. Die Mutter beteuert zum 78. Mal ihre Unschuld, und daß sie ihre Tochter doch so gut erzogen hätte. "Ah, vah, neler yaptım, Allahım. Bu kız beni niye bu durumlara düşürdü? Neyi eksikdi, neler yapmadım. Büyüttük, okuttuk, bide güzel bir yuva kursa", beteuert sie immer und immer wieder. Als ob es was Besonderes wäre, ihrer Tochter Bildung zu geben oder sie zu erziehen. Sie vergißt da einiges. So wie viele Eltern. |
Daß es die Pflicht der Eltern ist, und nicht das Recht, Kinder zu erziehen.
Wann raffen und begreifen die meisten Eltern dies?
"Du hast keine Schuld."
Beruhigt ihre Nachbarin sie "dieses
Miststück Ayşe ist an allem Schuld... ."
Aha! Soso. Wie gehabt ist Ayşe an allem Schuld. Der Mann von der Frau Nachbarin kriegt das mit und wird sauer wie drei Jahre alte Milch. Denn er hat diese Frau geheiratet, gerade weil seine Eltern das wollten. Sie ist jetzt 32, er 35. Als er 20 Jahre alt war, haben seine Eltern ihn nach Deutschland verheiratet. Zwei Monate nach der standesamtlichen Unterschrift, seine Ehefrau war wieder in Alemannistan, war er mit einigen Freunden Campen. Und was sieht er? Einen Engel! So kam es ihm zumindest vor. Lange, dunkelbraune Haare, Rehaugen und eine Engelsstimme... und er ist "verheiratet". |
Es kommt wie es kommen muß. Die beiden lernen sich kennen und lieben.
Er erzählt ihr von seiner Situation. Sie nimmt es hin. Fünf Jahre
lang treffen sie sich mehrmals im Jahr.
Einmal, so erinnert er sich, ist er mit ihr am Strand gelaufen und sie haben köfteekmek (Frikadellenbrot) gegessen, da sagte sie zu ihm mit ihrer zauberhaften Stimme "Ulan! Andere führen ihre Geliebten und Mätressen in Hotels und du stillst mich hiermit." Und beide lachten. Der junge Mann hatte es satt. Seine Frau wußte eh davon, er sagte es seiner Mutter. Natürlich waren die ziemlich geschockt., doch das war ihm so was von egal. "Belden aşağa, Kasım Paşa", pflegte er in solchen Situationen zu sagen. Er ließ sich scheiden. Flog in die Türkei. Es war Montag abend. Seit 2 Tagen hatte er nichts von dem Mädchen gehört. Am nächsten Tag wollten sie zum Standesamt. |
|
Jaaa, das wäre ihr Tag gewesen.
Er hielt es nicht aus und rief an. Der Bruder war am Telefon. Als der junge Mann nach dem Mädchen fragte, antwortete der Bruder mit zitternder Stimme:" Sie ist tot. Gestern bei einem Autounfall." Der Bruder legt auf. Sie und zwei andere Mitfahrer starben, weil so ein Idiot es nicht sein lassen konnte, und betrunken Auto fuhr. Das war vor zehn Jahren. Dieser junge Mann ist ein guter Freund der Familie Kurtuluş; deshalb bringt er es nicht übers Herz, den Eltern von Mihriban die Schuld zuzuschieben.
|
Dies ist nur eine wahre Geschichte eines leidtragenden jungen Menschen.
Mihribans Geschichte eine andere. Nur leider gibt es viel zu viele von solchen Geschichten. Gerade bei den Türken. Yazıklar olsun. Ganz woanders ladet ein Unbekannter den Munitionsschaft seiner Halbautomatik. "Yaktım seni Cem, du bist tot, mein kleiner Freund". |