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Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Romeo und Julia, Leyla und Mecnun oder Ferhat und Şirin. Wahrscheinlich kennt sie jeder. Und man denkt sich "hach, schön, doch leider nur ein Märchen..". Aber, man glaubt es kaum, genau sowas passiert tagtäglich! Wo? Hier in Deutschland ! Gleich um die Ecke! Ein guter Freund hat es mir erzählt, und ich erzähl sie jetzt euch ... |
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Nun ist es raus. Nachdem unser Supermacho Cem ihr seine Liebe gestanden hat und sie die Gefühle erwidert hat, sind sie sich um die Arme gefallen. Und wir schließen hier den Vorhang. Denn was die beiden dort machen, geht uns nichts an. Wie es weitergehen soll, wissen auch die beiden nicht. Um ehrlich zu sein; Mihriban hat im Augenblick gar keine Lust daran zu denken. Weder der Zustand ihrer Mutter interessiert sie, noch daß alle Leute wieder nach Hause geschickt wurden. Ihr ist auch egal, daß gerade jetzt im Augenblick die Gerüchteküche zu brodeln beginnt. So sind unsere Türken nunmal. |
Sie sind großartige
Geschichtenerzähler, wenn es nicht um ihre eigenen Geschichten geht.
Zwei Stunden sind jetzt seit Mihribans Rebellion vergangen.
Und nun heißt es: Sie ist mit einem Deutschen durchgebrannt, dann wieder mit einem Griechen, dann wieder mit einem Kurden, eine Nachbarin behauptet sogar mit allen drei. Tststs, Mihriban, bula bula gavurları mı buldun? Die Daddies haben erst eine Viertelstunde nach ihrer Flucht etwas gecheckt. |
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Sie dachten, das Geschrei im Flur wären Freudentänze.
Erst als sie aus der Nikotinverseuchten Höhle (das Wohnzimmer) rauskamen, checkten sie es.
Die Hölle war los. Dann beging die Streiterei zwischen Schleimer Bekirs Familie und Mihribans. Uff, erst wollten diese beiden Seiten eine Verbindung fürs Leben eingehen und nun zoffen sie sich für zwei Leben. Nach einer geschlagenen Stunde waren die meisten Besucher raus. Nur die nächsten Verwandten und (sogenannte) beste Freunde blieben. Große Preisfrage: Wo ist Mihriban? Orhan und Ahmet, kleiner und großer Bruder von Mihriban tun auch ganz sauer (sind es in Wirklichkeit aber nicht, sind eigentlich sogar froh) und machen sich auf die Suche nach ihrer rebellischen Schwester. |
Orhan fühlt sich ein wenig schuldig, weil er ihr diese rebellischen
Gedanken in den Kopf gesteckt hat.
Unten angekommen, steigen sie sofort ins Auto. Tack-Tack! Da klopft doch was. Ayşe! "Was ist los?" fragt Ahmet schroff (er denkt, daß sie Schuld an allem ist; immer; egal, was was passiert). "Hoophoop, ben sorcaktım, was ist los. Glaubs oder glaubs nicht, ich weiß nicht mehr als du", antwortet sie mit einer genau so schroffen Art, nur cooler und guckt dabei den kleinen Orhan an. "Abi, laß sie doch, vielleicht weiß sie wirklich nichts. Bakarsın nerde olduğunu bilir", und dabei schaut Orhan Ayşe ganz gaaaaaaanz unschuldig ins Gesicht. |
Natürlich weiß Ayşe, wo sich deren heißgeliebte Schwester
befindet, zumindest bei wem, aber sie tut einen Teufel und verrät es natürlich nicht.
"Valla bilmiyorum, ama bende merak ediyorum, beraber buluruz."
"Ich habe da so eine Vermutung", zischt Ahmet "dieser verfluchte Alevit Cem...." "Scheiße, scheiße, scheiße....", denkt Ayşe "wenn mich jemand im Cafe mit ihm gesehen hat." "Der Cem?" fragt Orhan und denkt an die Schlägerei vor zwei Monaten, wo Cem Ahmet verprügelt hat. Ahmet sagt nichts. Und los geht’s! Die Suche nach dem Schwesterchen beginnt. |
Tja, sehen wie mal nach, was Romeo und Julia in der Zwischenzeit machen.
Ziehen wir den Vorhang mal für ein paar Zentimeter zurück.
Aha! Mihriban und Magdalene unterhalten sich. Cem ist weg. Er wollte ja in die Spielhalle. Zu Yavuz und den anderen Magandas. "Magda?" "Ja?" "Woher kennst du Cem eigentlich?" "Hmm, ist eine ziemlich vertrackte Geschichte...naja, wo soll ich anfangen?" "Ganz am Anfang." Magda schaut mit einem leicht roten Gesicht auf den Boden, dann hebt sie ihn wieder, zieht einen Schluck am Kamillentee, der schon längst erkaltet ist. |
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"Weißt du, eigentlich heiße ich gar nicht Magdalene, vor
drei Jahren bin ich abgehauen von zu Hause, alles, wirklich alles hat
mich angekotzt, meine Mutter hat mir nichts erlaubt, hat mich fertiggemacht, weil
ich einmal die Fingernägel lackiert habe, hat sie mich Schlampe genannt, durfte
auf keine Klassenfahrt, hatte keine deutschen Freunde, Jungs waren sowieso verboten.
Mit 16 wollten sie mich verloben, tja, dann haben sie es auch getan.....".
Pause. Magda bekommt ganz rote Augen. "Hey, alles klar, ist in Ordnung!" umarmt Mihriban sie. "Nein!!....ist in Ordnung, das muß raus!" Ihre Hände zittern, doch sie will weiter erzählen. |
"War ein hübscher Junge, naja, ich glaub ich
hab mich verliebt...hey, ich war 16.
Ich kannte solche Gefühle gar nicht, meine Bauchgegend bebte, ich dachte nur noch an ihn. Tag und Nacht. Morgends und abends. Und dann ... ." Wieder Pause. Sie guckt Mihriban in die Augen, ihre feuchten Augen wollen etwas erzählen. "Was dann?" fragt Mihriban neugieriger als sonst in ihrem Leben. "Wir spazierten am Ententeich, es war um sechs Uhr abends. Er küßte mich, ich war verknallt, es war so schön ... doch dann wollte er mehr, er wollte ... ." Mihriban verstand schon. Mit ihren Blicken fragte sie weiter. |
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"Ich wollte nicht, meine Mutter nannte mich eh Schlampe, ich wollte
nicht, er wollte, ich wehrte mich, aber es half nichts.... ."
Dann fängt Magda an zu weinen. "Pis domuz zorlan yattı benimle!" Mihriban umarmt sie ganz fest "was für ein Arschloch, Schwein.... ." Und Mihriban begann zu hassen. Nach fünf Minuten gemeinsamer Heulerei faßt sich Magda. "Dann geht alles bergab. Ich verheimliche es vor meinen Eltern. Wer weiß, was die mit mir angestellt hätten. Und was macht dieses Schwein, erzählt bei seinen Eltern, ich wäre keine Jungfrau, den Rest kannst du dir denken. Ich war bei allen unten durch. Sie wollten mich in die Türkei schicken." |
Jetzt erst bemerkt Mihriban, was sie eigentlich für eine tolle Mutter und verständnisvollen Vater sie hat. Das macht es allerdings auch nicht einfacher. "Dann habe ich meine sieben Sachen gepackt und bin abgehauen. Stell dir mal vor, ich bin vor lauter Angst aus dem 3. Stock runter geklettert. Aber wohin. Ich hab ein bißchen Geld von ihnen ‚geliehen und habe einen Taxifahrer gefragt, was ich machen könnte. |
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Der hat mich dann zu
einer billigen, aber sicheren Absteige gefahren. Ich habe von einer
Hilfsorganization für abgehauene Mädchen mit ähnlichen
oder gleichen Problemen gehört.
So was wie ein Heim für abgehauenen Mädchen, nur speziell für Ausländer. Da war ich dann ein Jahr. Dann bin ich hier ins Ruhrgebiet gekommen, eine Lehre angefangen und ein neues Leben begonnen. Eine neue Haarfarbe und neuer Schnitt und ein neuer Name- Hey Leben, ich bin da!" Damit war zwar Mihribans Frage nach Cem nicht beantwortet, aber packend war es trotzdem. "In dem Heim... gab es da viele Abgehauene?" "Sehr viele, du glaubst gar nicht, wie viele." "Viele Türkinnen?" "Die Meisten... und es waren auch Jungs da, Türken." |
"Gibt’s gar nicht! Davon kriegt man hier gar nichts mit, ob Ayşe auch
in so einem Heim war", fragt Mihriban sich.
"Ja, aber wie hast du denn Cem kennengelernt?" "Ach so, ja! Das wolltest du ja wissen. Das ist vor ungefähr sieben Monaten passiert. Ich war draußen mit einer deutschen Freundin, Claudia, da standen drei Türken vor dem Wagen von ihr." Immer wenn sie Türke sagte, sagte sie dies mit einem bitteren bösen Unterton. "Die standen vor Claudias Auto und wollten nicht weggehen. Claudia hat es dann freundlich versucht. Aber nix, du weißt nicht, wie scheiße solche Arschlöcher sein können. Dann bin ich hingegangen und hab sie angeschnauzt, dann wurde einer handgreiflich. Ich schmier ihm eine. |
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Und der Penner schlägt mit seiner Faust in meinen Magen.
Claudia schreit um Hilfe, aber nicht eine Menschenseele hilft. Der Sack zieht mich an meinen Haaren, ich kratz ihn mit meinen Nägeln ins Gesicht, er schreit auf, blutet im Gesicht und knallt mein Gesicht gegen die Scheibe. Ich schreie wie am Spieß, Claudia ist geschockt, kann nichts tun, dann kommt der Zweite, so ein kleiner Schmächtling mit breitem Gang und packt mich an den Haaren. Ich spucke ihm blutige Spucke ins Gesicht und mache meinen ersten und letzten Fehler." "Was denn?" "Ich beschimpfe ihn auf türkisch. Erst sind sie geschockt, dann freuen sie sich, dann fangen sie an zu fluchen; orospu und solche Sachen ... ich vergesse nicht ein Wort. |
Der mit dem zerkratzten Gesicht hält mich fest, der andere ohrfeigt
mich, ich schaue mich um. Claudia ist auch nicht mehr da. Keiner da.
Der dritte fängt an mich zu begrabschen. Plötzlich fliegt eine
Flasche auf die Motorhaube. Alle drehen sich um. Dann steht er da. Cem."
Und Mihriban freut sich, wie der Märchenheld, der jetzt kommt, um die Prinzessin zu retten. "Und???" Magda lächelt, sie merkt, wie Mihriban sich freut. "Tja, dann kam er ganz langsam dahergeschlendert, so wie James Dean, ganz cool. Cem- mäßig eben. Was wirdn das, wenns fertig ist", hat er gefragt. "Geht dich nichts an", haben sie zögernd geantwortet. |
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"Wo sind eure Eier? Zu dritt gegen eine Frau, ihr habt bestimmt Elefanteneier, so
mutig seid ihr", provozierte Cem gelassen weiter, indem er immer näher kommt.
"Sana ne lan, göt!" fluchte der Schmachthaken. "Ağzına vereyim de öt", gab Cem zu Antwort. Mihriban konnte sich ein gewisses Lächeln nicht verkneifen. "Und dann?" "Dann sagte der dritte ‚willse was auffe Fresse, du Pisser?" Cem sagte nichts, sondern benutzte seinen berühmten Ich-mach-dich-alle-Todesblick. Das einzige, was er leise sagte war ‚Magandaregel Nr.1! Niemals labern, sondern sofort drauf!". |
Das tat er dann auch, frag mich nicht wie, aber das ging so schnell, ich weiß
nur noch, daß der dritte typ eine Faust im Gesicht hatte, dann
ein Knie im Gesicht, anschließend lag er am Boden.
Der Schmachthaken war wie versteinert. Bei ihm reichte eine Kopfnuß und ein folgender Ellbogen in seine schon gebrochene Nase." "Uff!" zischte Mihriban.
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"Aber das mußte sein. Der lag auch am Boden. Der mit dem zerkratzten
Gesicht ließ meine Haare los, zog ein Messer und fuchtelte damit rum.
Bevor er es kommen sah, war seine Kniescheibe zertrümmert und er lag am Boden.
Cem ging runter zu ihm und sagte "amc...lar, si...ir gidin, wie ist mir egal, wenn ich oder einer meiner Jungs euch hier noch einmal seht, dann wird’s härter. Verstanden Pißgesicht?" Dann kamen noch vier andere aus Cems Gang aus dem Schatten. Der Typ flehte und nickte. "Ein Verlierer, keine Eier" sagte Cem zu einem seiner Kollegen und tritt dem Typ am Boden noch einmal in seine Bälle.
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Dann wendet er sich zu mir, sagt:"Ich mag keine Mädchen, die so schlampig
rumlaufen, aber du hast mehr Eier als diese drei Laberköppe".
Dann zerriß er das Hemd von einem der drei und gab mir den Stofffetzen. Dann ging er." "Wow! Und was ist mit Claudia?" "Die habe ich seit dem weder angerufen, noch habe ich sie gesehen. Aber das ist nicht die ganze Geschichte." "Wie? Es geht noch weiter?" "Klar, aber erst hole ich neuen Tee." Und wo ist dieser Held? Der ist im Augenblick in der Spielhalle und zockt Tekken 3 mit Tekirdağlı (der wieder einmal verliert). Und dann kommt Ahmet durch die Tür. Blicke treffen aufeinander. Das könnte den Tod für einen von ihnen bedeuten. |