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Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Romeo und Julia, Leyla und Mecnun oder Ferhat und Şirin. Wahrscheinlich kennt sie jeder. Und man denkt sich "hach, schön, doch leider nur ein Märchen..". Aber, man glaubt es kaum, genau sowas passiert tagtäglich! Wo? Hier in Deutschland ! Gleich um die Ecke! Ein guter Freund hat es mir erzählt, und ich erzähl sie jetzt euch ... |
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Uff! Damit hat nun wirklich niemand gerechnet.
Die brave Mihriban macht einen Volksaufstand. Man muß sich folgende Situation vor seinem geistigen Auge klarmachen. Da sind ca. 40 Türken und Türkinnen auf 75 qm verteilt. Eine Verlobung (und religiöse Heirat) sollte stattfinden. Alle Tratschtanten und Mädchen aus der Umgebung und nähere Bekannte warten auf den potentiellen Verlobten, der dann mit drei Stunden Verspätung erscheint. (Ayse hat einen Sabotageakt verübt, was aber trotzdem nicht ausgereicht hat). Dann kommt dieser Damat, Schleimbeutel Bekir,. Fast zeitgleich mit ihm tritt Ayse auf der Spielfläche auf. |
Und inmitten von Aufregung und Freude (mütterlicherseits) läßt
Mihriban die Bombe platzen und löst die ganze Verlobung auf.
Die Gesichter hätte man sehen sollen. Schleimer Bekir ist knallrot angelaufen, genau wie seine Mutter; muß wohl vererbt sein. Apropos Mutter.
Mihribans Mutter war so geschockt, daß es sie wortwörtlich aus den Latschen gehauen hat.
Die gute Frau ist auf der Stelle umgekippt. Schnell stürzen sich drei Frauen aus der Nachbarschaft auf sie und versuchen, sie aufzuwecken. Jetzt will auch Bekir handgreiflich werden, kafası attı. Blitzschnell ist Orhan zwischen ihm und seiner älteren Schwester. |
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"Hoop hoop, duymadın mı? Hier ist Endstation. Zorlan güzellik olmaz.
Kapiert, sonst gibt’s ordentlich was auffe Glocke!"
Die alten Herren kriegen nichts mit, wann kriegen türkische Pappas schon was mit? Die palavern in dem Nikotin verseuchten Wohnzimmer immer noch darüber, ob Galatasaray nicht doch ein wenig schlechter als Beşiktaş ist.
Und natürlich darüber, ob Elvis aus Anatolien oder Thrakien kommt.
Daß Elvis Türke war, weiß jeder türkische Grundschüler, und
kaumein vernünftiger und an die Logik glaubender Türke und Türkin
würde an dieser inzwischen bewiesenen Theorie zweifeln.
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Da die Babas nichts von der Sache in der Küche mitkriegen, können
sie sich auch nicht aufregen.
Nur Ayşe freut sich insgeheim, weil sie weiß, daß Mihribans Entscheidung richtig war. Und die beiden frisch Verheirateten Mädchen sind froh über Mihribans Entscheidung, weil sie mit ihrer eigenen Entscheidung zu kämpfen haben. Mihriban sieht Bekir an, dann ihren Bruder, sieht ihre Mutter am Boden, ein letzter alles rettender Blick zu Ayşe, und sie rennt so schnell sie kann zur Haustür. Sie weiß nicht, was sie tut und auch nicht das Warum, aber jetzt gibt es kein zurück mehr. Während sie die Treppen runter läuft, denkt sie an ihre ohnmächtige Mutter und beißt sich auf die Unterlippe. Tränen wollen aus ihren Augen, doch sie läßt es nicht zu. Unten angekommen läuft sie über die Straße. |
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Und Cem? Der ist völlig überrascht.
Eigentlich sollte ihn heute nichts
mehr überraschen oder schocken.
Erst verprügelt er in dem Bistro zwei Möchtegern- Magandas. Dann gesteht er Ayşe (die Sorte Mädchen, die ein Macho wie er überhaupt nicht leiden kann) seine Liebe gegenüber Mihriban. Und jetzt sieht er, wie das Mädchen seiner Träume verzweifelt über die Straße läuft. Sein Herz rast; was rasen- es donnert und hämmert förmlich. Im Wagen sind auch noch vier andere Magandas: Tekirdağlı; Murat B., der Autos verkaufende Student; Yavuz, der verrückte Fotograf und Arif, ein Ex- Maganda, der zwei Dutzend private Probleme hat und gleichzeitig ein alter Kumpel von Cem und Yavuz ist. Cem weiß nicht, was er machen soll, keiner im Wagen weiß bescheid über seine Gefühle. Er startet den Wagen. |
"Hoop, ağa, was geht ab Moe?" fragt Yavuz neugierig. Keine Antwort.
Arif sieht im Rückspiegel Cems berüchtigten Quatsch-mich-nicht-an- Blick und weiß, daß die Kacke am Dampfen wird. "Moruk, söylesene, kimi halletceğiz?" will Tekirdagli von Cem wissen. Arif packt Cem auf die Schulter und flüstert:" Moruk, sus... o bakışı iyi taniyorum." Der Motor heult auf. Bremsen funktionieren. Reifen quietschen. Der Wagen bleibt quer auf der Hauptstraße vor Mihriban stehen. Mihriban sieht Cem, sieht in seine Augen. Der wiederum guckt daraufhin Tekirdağlı an. Der versteht sofort, öffnet seine Tür und geht selber nach hinten. Wortlos doch selbstsicher steigt unsere traurige Prinzessin ein. Tut sie das Richtige? Sie weiß es nicht. |
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Sie kennt Cem nur vom Hörensagen, aber sie weiß eines
hundertprozentig... daß er sie liebt, sie weiß es seit
damals, als er es ihr unter ihrem Fenster gestand.
Keiner dagt auch nur einen Ton. Hinten sitzen die drei Magandas. Vorne Romeo und Julia. Mihriban sieht ihren Romeo aus dem Augenwinkel an, knabbert an ihren Fingernägeln. Ein Tauber könnte ihre Herzschläge hören, ein Blinder könnte ihr Aufregung und Ratlosigkeit sehen. Sie senkt ihren Kopf in die Kopflehne des Sessels. Leise rinnen zwei Tränen ihre Engelswangen hinunter. Ihre Lippen zittern leicht und sie will es verstecken. Cem bemerkt es. Aber seine beschissene Ehre als King Maganda hindert ihn, Gefühle zu zeigen. Arif hält das nicht aus. Er ist jemand, der reden muß, um die Situation zu entschärfen. |
"N’oldu bacım, başın dertte galiba, hiç merak etme, wir regeln das auf unsere Weise."
Nickt nur mit dem Kopf.
Cem hält nach einer wilden Autofahrt in seinem noch wilderen Powergolf direkt vor der Spielhalle. Cem steigt aus, läßt alle aus seiner Seite aussteigen. "Hier in drei Stunden...", flüstert er Yavuz zu. Tja, jetzt kann sich jeder denken, warum Cem die letzten Wochen so anders war, abwesend, nicht mit dem Herzen bei der Sache. Anschließend fahren Romeo und Julia noch eine gute halbe Stunde, bis sie in einem runter gekommenen Viertel vor einem abbruchreifen Haus stoppen. Cem dreht den Schlüssel um. Der Motor verstummt. Jetzt sehen sie sich an. Erst will Mihriban nicht, wegen ihrer Tränen schämt sie sich. Sanft packt er sie an ihrem Kinn. "Hey, ‚s ist alles in Ordnung." Er zieht sie an seine Brust. |
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Daraufhin fängt sie an, loszuheulen.
Die unterkühlte rationale
Mihriban läßt einen Wasserfall ihre Wangen runter rollen.
Nach unendlichen drei Minuten steigen beide aus. "Wo sind wir hier?" fragt Mihriban mit deutlicher kräftigerer Stimme. "Bei einer guten Freundin." Hast du deinen Paß dabei?" "Nein, wieso... ?" "Bei türkischen Eltern weiß man nie.. ." Nach zwei Stockwerken bleiben sie vor einer vergammelten Tür stehen. Cem klopft kräftig an die Tür. Eine Schelle gibt es nicht. "Wer ist da?" "Ich bin’s ... Cem... Mach auf!" "Warte, gleich... ." "Nicht gleich! Jetzt sofort!" fordert Cem mit lauter Stimme. |
Die Tür geht auf und beide schreiten hinein. Mihriban wundert sich.
Innen ist es so sauber, so geordnet, es riecht frisch. Ein Widerspruch zu der Umgebung. Eine ausländisch aussehende Person, Typ Iranerin, begrüßt die beiden herzlich. "Mihriban, das ist Magdalene." Das war es. Keine Erklärung, gar nichts, typisch Cem eben.
"Mach mal Kaffee, Magda. Und laß uns ein wenig allein... ."
Magdalene wundert sich, so kennt sie Cem gar nicht. Sie weiß zwar nicht, was los ist, aber Mihribans Gesicht spricht Bände. Mihriban Kurtuluş und Cemalettin Tunç... nun sind sie allein, zum ersten mal. Keiner weiß so recht, was zu tun ist. |
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Der sonst so coole Cem hat seine Hände in die Taschen gesteckt.
"N’oldu, anlat, was ist denn genau passiert?" "Ich habe die Verlobung platzen lassen, bevor sie überhaupt zustande gekommen ist... ." Als Cem dies hört, freut er sich wie ein Schneekönig, läßt sich natürlich nichts anmerken.
"Annem bayıldı, ich glaube, sie konnte den Schock nicht verkraften... die
Nachbarn werden alles mögliche über mich in Umlauf bringen.
Nur nicht die Wahrheit... ."
"Was ist denn die Wahrheit.. ?" "Ich wollte nichts von dem Typen, keine Ahnung, ich kannte ihn noch nicht mal, er kennt mich von früher, wir sind auf derselben Schule gewesen. Birdenbire istemeye geldiler, als ob ich nichts besseres zu tun habe, als mit dem Bauern zu heiraten... ." "Ich bin auch nur ein Bauer... ." |
"Das mag sein, aber du hast etwas, was der Schleimer nicht hat. "
Als sie "Schleimer" sagte, lachten beide wie wild los. "Was habe ich denn... ." will Cem wissen. "Ehrlichkeit... ." Mehrere Sekunden verstreichen wieder einmal, dass es einem wie Stunden vorkommt, passiert wohl nur bei Verliebten. Schließlich schaut Mihriban unseren Super Macho an. "Weißt du noch, vor ein paar Wochen... als du in dem Regen draußen vor meinem Fenster warst und mit mir gesprochen hast, obwohl ich nicht da war...?" "Also hatte ich recht, sie war doch da, Rambo hat Unrecht gehabt", denkt Cem rechthaberisch. "Da warst du ehrlich, und daß du meinen Bruder verprügeln wolltest, verstehe ich auch, du hast dich ja nur verteidigt." |
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"Hey Babe, ich hab ihn verprügelt und hätte ihn fertig
gemacht, wenn du nicht aufgetaucht wärst..." denkt Cem noch geheimer.
"Ich bin keine von diesen türkischen Mädchen, wie du sie kennst, ich will nicht einfach nur so’n blödes Leben mit den drei K’s haben." "Drei K’s?" "Kücke, Kinder, Kirche." Und wieder lachen beide los. Dabei gefällt der Gedanke Cem überhaupt nicht. Für ihn gehört eine Frau an die Herdplatte und das Kinderbett. Aber da es der Prinzessin nicht sonderlich gut geht, hält er sich geschlossen. Weitere Zehn Sekunden ist wieder Sendepause. Dann sprechen beide gleichzeitig: "Ich muß dir was sagen." Ein drittes Mal wird gelacht. Das ist ja wie im Film mit Julia Roberts. "Sag du zuerst", fordert Cem sie auf. |
"Nein, du zuerst, ich hab schon zuviel gesprochen."
"Hmm, naja, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, ähmm...naja, also ich will sagen, yahu, unuttum galiba, fällt mir gleich wieder ein....sey...ähh." Dabei verheddert er sich immer mehr. Er wird total verlegen, so was kennt er gar nicht. Der gute Cem hat sich ja noch nie in seinem Leben verliebt. ![]() Bei ihr ist es genauso. Beide sitzen auf diesem Sofa, haben die Hände auf den Knien. Er schaut nach rechts sie nach links. Zu bemerken ist, daß er auch rechts neben ihr sitzt. |
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Blickkontakt wird also vermeiden.
Vergessen ist die Grundregel Nr. Eins im Maganda Grundgesetztbuch.: Sei immer cool und Herr jeder Situation. Vergessen sind all die Affären, die er hatte, vergessen, all die türkischen Mädchen, mit denen er zusammen war. Jetzt existiert nur Sie, der Engel aller Engel mit ihrer schönen weichen Haut, ihren himmelblauen Augen und ihren zarten Händen und dieses beschissen schöne Gefühl in der Magenregion, was nicht erklärbar ist, was Analytiker mit irgendwelchen Glückshormonen in Verbindung ziehen. Für die einfacher denkenden Leute unter euch: Cem ist tierisch verknallt. Und er kann es ihr nicht sagen. Was für eine blöde Situation, sie weiß natürlich genau, worum es geht, aber trotzdem will sie es hören. Frauen können so gemein sein. "Sag mal, kannst du es dir nicht denken...häää....naja...ich weißt du, ich habe da so ein Gefühl im Bauch....naja ich denke, es ist sowas wie ein Flugzeug...oder als ob meine gesamte Verwandtschaft im meinem Bauch halay macht.... ist voll das Gerümpel...ich, hey, du weißt was ich sagen will....". |
Frauen können so gemein sein.
"Sag mal, kannst du es dir nicht denken...häää....naja...ich weißt du, ich habe da so ein Gefühl im Bauch....naja ich denke, es ist sowas wie ein Flugzeug...oder als ob meine gesamte Verwandtschaft im meinem Bauch halay macht.... ist voll das Gerümpel....ich, hey, du weißt was ich sagen will....". Sie guckt die ganze Zeit zur Seite und hat die gleichen Gefühle, doch versucht noch cooler als er zu sein. (Wo ist der denn cool?). "Naja...Mihriban...ich...also, weißt du, ich meine...ich hab da Gefühle für dich...naja, das ist mehr als nur Sympathie... ." In einem minimalen Augenblick drehen sich beide um und sehen sich verdammt tief in die Augen. Keiner von beiden hat auch nur die Chance, weg zu gucken. Er packt ihre Rechte mit seiner Linken und flüstert so, daß sie es gerade noch wahrnehmen kann: "Ben seni seviyorum." "Ben de seni seviyorum...Cem." |