Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Romeo und Julia, Leyla und Mecnun oder Ferhat und Şirin.

Wahrscheinlich kennt sie jeder. Und man denkt sich "hach, schön, doch leider nur ein Märchen..".

Aber, man glaubt es kaum, genau sowas passiert tagtäglich! Wo?

Hier in Deutschland ! Gleich um die Ecke! Ein guter Freund hat es mir erzählt, und ich erzähl sie jetzt euch ...

Ob da noch was zu retten ist?

Die Gefolgschaft von Bekir ist bei Mihriban zu Besuch und wollen um die Hand von Mihriban anhalten.

Mihriban selbst hat die Hoffnung aufgegeben, sich von dieser verhängnisvollen und für sie düsteren Situation zu befreien.

Während Schleimer-Bekirs Sippschaft bei Mihriban eintrudelt, versucht ihre Freundin Ayşe zu retten was noch zu retten ist. Sie trifft sich heimlich mit Supermaganda Cem im Dönerschuppen und will herausbekommen, ob Cem Mihriban wirklich liebt.

Doch es ist nicht einfach die harte und machohafte Schale des Schlägers zu knacken ...

Da sitzen nun Barbar Cem und seine größte "Feindin" Ayşe.
Und Cem gesteht seine Liebe zu Mihriban. Totale Stille.

Cem kommt sich vor wie der blödeste Trottel der Welt, doch gleichzeitig ist er froh, dass es raus ist.

Nach Mihriban ist Ayşe die einzige, die was davon weiß. Ayşe grinst. Erst nett, dann fies.

"Was machst du eigentlich hier? Musst du nicht auf der Verlobung sein?" will Cem ablenken.

Jetzt grinst sie noch fieser.

"Ich habe da einen Bekannten, der kennt sich zufällig mit Autos aus. Und wie es der Zufall will, fehlt an bekirs Auto etwas, der wird so schnell nicht losfahren können. Oha! Deshalb die Verspätung."

Seni cadı seni.
Dann wird Bekir eine böse Überra-
schung erleben. Ohhh, canıma değsin. Es gibt also noch Hoffnung, denkt Cem schadenfroh.

"Ich mach mich mal auf den Weg zu meiner Freundin. Nicht, daß sie sich doch noch verlobt", zerstört Ayşe Cems Gedanken mit einem hämischen Grinsen. Dabei zwinkert sie Cem zu.

Und Cem grinst. "Hey, warte mal Ayşe", stoppt er sie. "Mihriban" denkt er lächelnd. Mihriban.

"Mihriban" schreit die Mutter sie an. Natürlich mit gedämpfter Stimme, damit die restlichen türkischen Mamas und Töchterlein nichts mitkriegen.

"Niye gelmedi bu Bekir?" fragt ihre Mutter sie, als ob Mihriban dafür verantwortlich wäre. Oh Mann, wenn die wüssten.
Die Leute wurden auch unruhig. Selbst der Hoca, der für die Verlobung herge-
holt wurde, ist nun leicht nervös geworden.

Denn direkt nach der Verlobung sollte eine geistliche Hochzeit stattfinden, damit ja alles seine Gültigkeit hat.

Die Leute fangen an, zu lästern, ob der Damat nicht kalte Füße bekommen hat. Dann fängt die Gerüchteküche richtig zu brodeln an.

Am Ende hatte Mihriban vier Liebhaber gleichzeitig, ein Deutscher hatte sie in der Hauptschule entjungfert, außerdem würde sie mit Griechen und Kurden gemeinsame Sache machen usw.

So ziemlich alle kriegen es mit, nur nicht die, über welche getratscht wird.

Orhan zieht kurzerhand seine Schwester in ihr Zimmer. Es gibt da noch etwas zu regeln. Auch wenn es Mihriban nicht zugibt, da stinkt etwas, aber ganz gewaltig ...

"Abla ... sag was du willst, ich blas die Sache jetzt ab. Hör mal, du bist doch sonst nicht so...", und Mihriban senkt den Blick.

"Ich habe eine stolze Schwester, eine Kämpferin, eine mutige Schwester.
Wo ist Mihriban, die Rebellin?
Dikkafa nerde? Verstandını kullanan Mihriban nerde? Gurur duyduğum ablam nerde? Heh, wo ist sie, sag es mir! Ahmet abim anlattı bağzı şeyleri. Bekirin ne mal olduğunu iyi biliyoruz.

Er ist ein Schleimbeutel, aber er ist sauber, verkauft keinen Stoff und solche Sachen. Also hängt alles von dir ab."

Während er dies sagt, ballt sich seine Faust zur Hand. "Sen istemedikten sonra, bin kişi gelsin. Ich werde alle tausend umhauen, so wahr ich Orhan Kurtuluş bin."

Sie konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

"Orhan... kardeşim, mein süßer kleiner Bruder... du hast in mir gerade etwas Totgeglaubtes wiederbelebt.Canım kardeşim."
Dann umarmt sie ihn höflich und mit inniger Wärme. Orhan ist total erstaunt. Was hat er denn gemacht?

"Hör mal Kleiner...", fängst sie in typischem Mihriban- Style an, "ich weiß, du bist der geborene Killer aus Konya, genau wie Ahmet... ich schätze es, wie du dich um mich sorgst und kümmerst. Hätten doch alle Mädchen solche Brüder wie ich."

"Hey, worauf willst du hinaus, Schwesterchen?"

"Warte ab... aber du kannst mir einen Gefallen tun."

"Ne istersen, abla!"

"Finde Ayse! Wo immer sie ist."

Und schnapp, schmeißt sie ihm die Schlüssel für den nicht mehr ganz so neuen Golf zu. Orhan schnappt die Schlüssel. Ein letzter Blick und zack! ist die Tür zu. Nochmal zack!

Die Haustür schließt sich auch.
Seine Mutter auf dem Flur wundert
sich nur.
"Allah, Allah, was ist nur in den Burschen gefahren (ganz freie Übersetzung aus dem Türkischen)?"

"Hach!" Denkt Mihriban sich und strahlt mit so einem breiten Grinsen, daß Mick Jagger eifersüchtig werden würde. Doch dann stockt sie.

"Hey, hat der überhaupt einen Führerschein?"

Orhan ist das im Augenblick so ziemlich egal. Das ist die Gelegenheit. Natürlich kann er Auto fahren, auch wenn er keine Pappe haben sollte.

Alle männlichen Türken müssen mit der Beendung des 12. Lebensjahres Auto fahren können. Mindestens Klasse 3. Das steht auf jeden Fall Im Grundgesetzbuch Magandanistans.

"Hmmm, die schnellste Möglichkeit ist das Handy." Er ist so stolz, daß seine Schwester ihm einen Auftrag gegeben hat, daß er sein Gehirn dreimal so stark beansprucht wie sonst.
Schnell wird aus einem Anruf ein Kettenruf. Und prompt zwei Minuten später kommt ein Anruf von Osman und Remzi, daß Ayşe sich im "Dönerschuppen" mit dem berühmten Cem unterhält.

"Lan Orhan, bu Cem demin iki kişiyi birden halleti... ey, voll rein Alter, die beiden hatten überhaupt keine Chance."

Und so entstehen dann Gerüchte und Legenden. Osman und Remzi sind die beiden Magandaanwärter, die von Cems Gang vom Billardztisch verscheucht wurden (natürlich ganz höflich).

Tekirgağlı und Murat zocken noch' ne Runde, während der verrückte Fotograf Yavuz sich noch mir Arif unterhält.

Es ist jetzt schon zig Jahre her, dass die beiden Ex-beste-Freunde Kontakt hatten.

Yavuz klopft ihm auf die Schulter:"Arif ...Arif, eine Trennung... na und? Du bist nicht der erste und wirst nicht der letzte sein."
Arif senkt nur den Blick. Er braucht jemanden, dem er die Story erzählen kann, doch findet keinen Mut.

"Hoop, hoop, hoop Arif, ne dedim lan, das Leben geht weiter. Und wenn sie schwanger ist, was solls. Dir Gesetze haben sich zu Gunsten der Väter geändert. Tamam mı moruk?"

"Du weißt aber gut Bescheid", staunt Arif und durchbohrt Yavuz mit seinem superspektischen Blick.

"Moruk...", Yavuz wartet ein paar Sekunden, "ich sagte doch, du bist nicht der erste und wirst nicht der lezte sein. Ağama da oldu. Die Schlampe will ihm das Kind nicht zeigen, aber sie muss. Das Gesetz ist ausnahmsweise auf der Seite meines Bruders."

Arif hält dieses Gefühl nicht mehr aus. Er schlägt Yavuz leicht auf die Schulter: "Moeis, du verrückter Fotograf! Willse mal' ne richtige heiße Story hören.?"

Yavuz stuzt.

"Weisse Mann, der Scheiss muss raus aus meinem Hirn, oder eher aus dem Herzen, sonst dreh ich noch am Rad ... Alter."

"Was lan, was?"

"Hey, ich bin zwar verheiratet, krieg
bald' n Kind und die Fo..e will mich nicht ... alles halb so schlimm. Ich ... ey Mann ... ich liebe eine verheiratete Frau mit drei Kindern!"

Paff!!! Raus wars. Arif senkt den Blick. Yavuz fällt die Kippe vonner Lippe und die beiden schauen sich an.

Fünf Sekunden lang grausame Stille. Dann lächelt Yavuz plötzlich: " Na und, is bloß' n Hindernis, aber kein Grund."

"Sie ist 15 Jahre älter ..."

"Aşkın yaşı yoktur."

"Sie ist Kartoffel, Mann ..."

"Hey, meine Perle heißt Susanne, was solls Moruk Frau ist Frau."
Wieder ein paar Sekunden lang Schweigen. Diesmal eher zur Erleichterung.

"Ich erzähl dir mal was, Moruk. Las uns am Freitag ein paar Albaner fertig machen. Die haben meinen Schwager angemacht."


Und Arif, der seit Jahren seine Faust nicht mehr benutzt hat, grinst ...!

"Sağol, du Killerfotograf, aber ich mach so was nicht mehr ...!

Weiter kommt er nicht. Cem unterbricht die beiden.

"Yavuz! Gidiyoruz ... oooh, Arif, lange nicht mehr gesehen, Alter ... was läuft ab?"

"Ach so lala halt, das Leben is wie' n Karussel ... hab gehört, du hast wieder deine Killerfaust eingesetzt."

Cem grinst, haben die beiden doch jahrelang im selben Kickbox-Verein trainiert.

"Bisse von deinem Bruce-Trip nicht runter Mann?"

Oha! Cems Grinsen verschwindet.

"Arif, sen Arif olmasaydın .. anlarsın ya!"

Die beiden haben sich ein paar Jahre nicht selten gemeinsam die Birne weggekippt.

"Was' n los Cem?" mischen sich Tekirgağlı und Murat ein. Cem guckt die beiden mit seinem undurchsichtigen Ich-verrate-es-euch-nicht-Blick an.

"Arbeit ... ."

Und die Maganda-Gang trabt los. Cem stoppt, dreht sich zu Arif um: " Moruk! Geliyon mu?"
Arif zögert zwei Sekunden:"Hasi..tir, warum eigentlich nicht?"

Und cooler als 'Neo' bei "Matrix" zischen sie ab. Kaum sind sie raus, kommt Orhan reingehetzt.

"Ayşe abla!" Und Ayşe dreht sich um. Dann lächelt sie, als wüsste sie, worum es geht.

"Komm mit! Wir müssen sofort zu uns. Irgend etwas passiert gleich ... irgend etwas schlimmes ... ."

Und zack sind Ayşe und Orhan in Mihribans Auto, nur mit dem Unterschied, dass Ayşe jetzt die Fahrerin ist. Die beiden kommen an und wessen Wagen steht versteckt im Schatten eines Baums.

Hmm, nur auf was. Aha, und ein zweiter Wagen ist auch noch da.

Nein!

Es ist der schwarze BMW von Schleimer Bekir
"Scheisse! Wir sind zu spät!" denkt Ayşe und verzieht das Gesicht.

Orhan ist viel zu sehr beschäftigt mit dem Gedanken, was Cem da sucht. Instinktiv bereitet er sich auf eine Prügelei vor.

Doch dazu soll und wird es nicht kommen. Blitzschnell rennen die beiden hoch. Cem wundert sich in seinem Powergolf wartend:

"Ich denke, der Wagen dürfte nicht laufen, mann Ayşe, wenn du was machst dann machs richtig", flucht er leise vor sich hin.

"Ulan Cem, nabiyoz burda", fragt Arif ungeduldig, hat er nichts ausßer seinen eigenen Problemen im Kopf.

"Abwarten", antwortet Cem mit unterkühlter Cem-Stimme, doch ins-
geheim fragt er sich, was da abgeht.

"Abla, ich bin da" schreit Orhan in Mihribans Zimmer.

"Ayşe ist auch hier".

Alle sind versammelt.

Die Mutter ist sauer wie eine Tüte Milch, die seit vier Wochen offen auf dem Fensterbrett gelegen hat.

Der Vater weiss wieder gar nicht, was abgeht.

Und in einer Ecke steht Schleimer Bekir. Großkotzig wie immer.

Eine Minute lang fühlt Ayşe sich wie in Babylon, alle sabbern gleichzeitig.

Da! Ihre Zimmertür öffnet sich. Alles verstummt.

Die Blicke sind auf sie gerichtet. Vor allem die der Mütter. Eine weitere Minute herrscht die totale Stille. Dann öffnet sie langsam ihre Lippen:

"Nişan patladı, düğün müğün yok ..."

Die Mutter wird ohnmächtig, ein Raunen geht durch die Masse.

Und in dem Chaos flüchtet Mihriban.

Fortsetzung Teil 12