Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Romeo und Julia, Leyla und Mecnun oder Ferhat und Şirin.

Wahrscheinlich kennt sie jeder. Und man denkt sich "hach, schön, doch leider nur ein Märchen..".

Aber, man glaubt es kaum, genau sowas passiert tagtäglich! Wo?

Hier in Deutschland ! Gleich um die Ecke! Ein guter Freund hat es mir erzählt, und ich erzähl sie jetzt euch ...

"Du machst jetzt hoffentlich das Richtige...", flüstert sie ihm leise ins Ohr. Keiner sagt auch nur einen Ton (nur der Autos verkaufende Student Murat B. ist noch weiter in Prügelstimmung und knackt seinen Nacken).

Ridgie geht zu der griechischen Kante, senkt dabei jedoch nie den Blick.

"Ich bin sein Bruder. Was ist passiert?"

Und die griechische Kante erzählt Rıdvan- Ridgie alles.

Vom Cafe, als er Fatih ‘rausbitten‘ mußte, von der Schlägerei, Rambos Reinplatzen und Prügeln, und daß Vicky dann schockiert reinrannte.

Natürlich erzählt er das verdammt cool, ohne mit der Wimper zu zucken, ständig sein Kaugummi kauend und
mit einer verdammt smoothen ruhigen Stimme (so wie Marlon Brando
als Pate Don Corleone).
Rıdvan hört aufmerksam zu.

Seine geballten Fäuste werden locker.

Cem und der Rest der Magandas haben sich auch ein wenig beruhigt, mit Außnahme von Murat B.

Er ist richtig heiß auf eine gute Schlägerei.
Das könnte jetzt das Streßventil sein.

Sein Problem ist fast das gleiche wie Cems.

Auch er liebt ein Mädchen (welches auf den seltenen Namen Elmas hört).
Nur wie bei Cem steht jeder und alles gegen ihn: Mamas, Papas, Brüder, Schwestern; nur das Mädel hält zu ihm.

Tja, und Mihriban? Hält sie zu dir, Cem Du Barbar?

Aber nein, sie muß ja auf ihre Alten hören und den Mund bloß nicht aufmachen, obwohl sie will.

Aber bei dir wirds nicht anders sein.

Wenn dein alter Herr "Nein!" sagt, sagst du dann "ja!"?

Oh, Baby, diese türkische Tradition kann manchmal verdammt heavy sein.

Manchmal ist sie auch ganz nützlich.

Auf jeden Fall bemerkt Cem Murats Geilheit auf Prügel und packt ihn, unbemerkt von den anderen, am Unterarm "Ssssscht, karışma, zamanı değil, aklama bir kaç patates hallederiz."
Und Murat lächelt.

Und dann ist da auch noch Vicky.

Doch auch sie weiß nicht mehr.

Sie war beim Wagen, als Rambo niedergestochen wurde.

Fatih ist selber noch auf der Intensiv.

Wer könnte das gewesen sein?

Jetzt kommt Macho King Cem nach vorne.

Die griechische Kante und türkische Kante schauen einander an, taxieren sich und beide wissen, daß es hart werden würde.

"Hör mal, malaka", fängt Cem an "ich schätze es, daß du hier bist und achte es.

Wir werden uns zurückhalten. Ich werde rauskriegen, wer das war... und dann fick ich ihn."

Der größte Grieche
Nordrhein-Westfalens bleibt cool.

Aber auch seine Fäuste sind gelockert.
Und Cem flüstert:"... sollte es ein Grieche sein, den du kennst...",

"...sollte es einer sein, der zu mir gehört...", unterbricht ihn der Grieche

"...glaub mir malaka, dann fick ich ihn, gamoto...". Anschließend dreht sich die Kante zu Vicky um, sagt ein zwei Sätze auf Griechisch.

Daraufhin gehen die beiden zur Tür.

Im Vorbeigehen flüstert Vicky Cem zu "Danke."

Gerade als die Kante die Tür schließen will, schreit Cem hinterher: Ey lan! Grieche!"

Und die Kante guckt.

"Wie heißt du eigentlich, lan?"

"Ilias."

Zwei Wochen sind jetzt vergangen seit Rambos Einlieferung in das Krankenhaus.

Rambo ist immer noch im Koma.

Die Ärzte sagen, daß es nicht sonderlich gut aussieht.
Sein Bruder Rıdvan sucht immer noch den Täter.

Ihm zur Seite steht ein alter Freund Cems; Yavuz, der verrückter Fotograf.

Alle nennen ihn so, weil er immer eine Kamera mit sich schleppt.

Sein Motto lautet: Irgendwann kommt mir was vor die Flinte... immer dran bleiben!

Cem ist auch wieder einigermaßen normal.

Er schläft jetzt schon ganze drei Stunden pro Tag
(schuld ist immer noch Mihriban. Cem sırılsıklam aşık. Bis über beide Ohren), alle drei Tage ‘ne ordentliche Prügelei; wobei ihm Murat B ordentlich hilft.

Schleimer Bekir hat noch zweimal bei Mihribans Eltern um ihre Hand angehalten.

Mihribans Mama wollte beide Male, daß der Papa "ja" sagt.
Und nun ist es soweit. Übermorgen wird die Verlobung sein.

Bei Mihriban natürlich.

Enttäuscht ist sie von ihrem älteren Bruder Ahmet, der ja prüfen wollte, ob Bekir so `sauber´ist, wie er meint.

Aber der hat genug Sorgen mit seiner deutschen Freundin.


Er solle sie endlich seinen Eltern vorstellen.

Sie habe keinen Bock mehr auf dieses Versteckspiel. Und auf Mihribans Freundin Ayşe ist eh kein Verlaß.

O bir BMW Cabrio görürse, kendini kaybediyor.

Apropos Ayşe. Mihriban holt Ayşe
zum shoppen in Dortmund ab.
Unterwegs labern sie über die lächerliche Erpressergeschichte

von Mahsun Kırmzıgül, Kemal Sunal und "Propaganda"; ob Rafet El Roman als Schauspieler überhaupt geeignet sei.

Mihriban meint nein, Ayşe meint ja.

Und beide sind ganz fest davon überzeugt, daß Männer die größten Schweine sind.

Vor allem die türkischen Männer; kein Verlaß, eitel ohne Ende, kendini beğenmiş piskopatlar, alles Machos

(mit deutschen Mädchen schlafen und die türkischen mit den Kindern zu Hause lassen);

Männer schnappen sehr schnell ein, machen sich Sorgen um ihre Männlichkeit;

überhaupt sind Männer generell
(und Türken speziell) übermütige, einfaltslose, eifersüchtige, freiheitsverbietende Bauern.

Aber warum sind Mihriban und Ayşe still, wenn es um Liebe geht?
Keine von beiden gibt es zu, aber sie wollen nur ein bißchen Liebe, ein Stückchen Anerkennung und ein wenig Respekt.

Gerade Ayşe hat ein beschissenes Schicksal (so nennt jeder, egal ob Mann oder Frau, für gewöhnlich die eigens verschuldeten Fehler).

Mihriban ist die einzige Person, die von ihrem kleinen Geheimnis Bescheid weiß.

Während die beiden sich bei Karstadt Klamotten ansehen, ziehen wir uns dezent zurück und suchen Cem.

Hey! Magandalar Kralı!!!

Was geht ab!?!

Er und Tekirdağlı sind in der Spielhalle am Zocken: Tekken 3.

Natürlich gewinnt Cem immer, er ist uneingeschränkter Tekken- King

(was nicht weiter verwundert, da er schon 578 Markstücke rein geworfen hat).
"Ey, Alter, du kannst doch nict am Boden weiterkloppen (Tekirdağlı ist einer der schlechtesten Verlierer, die im Ruhrgebiet rumlaufen).

Cem sagt gar nichts und prügelt "Paul" aus dem Ring.

Paff! Knallt Tekirdağlı mit der Faust auf den Bildschirm.

"Hey hey, junger Mann, so geht das aber nicht..." Oh oh, die Aufsichtstante.

"Ey, was denn, ist doch nicht schlimm...", erwidert Tekirdağlı.

"Auch noch aufmüpfig werden, wie?!"

"Ey Alte, bleib ma locker!"

"Wen schimpfst du hier Alte? RAUS!"

Und die Aufsicht(die gerade mal 1.59 m groß ist und voll die Hornbrille trägt; wahrscheinlich ist sie bis auf drei Meter blind) zeigt mit ihren zwei cm langen Fingernägeln in Richtung Tür.
"Paß ma auf Olle, wen du vor dir has! Meins wohl, kanns hier’n Max machen, çakarım haaa!"

Jetzt mischt Cem sich ein.
"Yeter lan ayı, ona vurmaya değmez lan."

Und zerrt ihn raus.

"Was lan, was! Niye lan, oros...a bi tane çakacaktım, da würd die nich mehr aufstehen. Ey, hat die heut‘n Wurm gefressen?"

"Moruk takma, die braucht nur was zwischen die Beine", will Cem ihn beschwichtigen und beruhigen.

Dabei weiß er, daß sie nur ihre Pflicht tut.

"Kazım‘a gidelim." Kazım ist der Besitzer des gleichnamigen Türkenbistros (so wie Ilias, die Kante, bei den Griechen).

Tür auf, rein in den 77er Powergolf
von Cem und ab geht‘s in Richtung Bahnhof.
Cem gibt richtig Asche. Tekirdağlı hat sich immer noch nicht beruhigt.

Cem wird sauer, gibt noch mehr Gas.

Tekirdağlı wird auch saurer (wie gesagt, er ist ein sehr schlechter Verlierer).

"Yeter ama, haaa! Dövecektin de ne bok olacaktı... ."

Plötzlich kommt ein gelber Golf 4 um die Ecke.

Cem ist viel zu schnell. Vollbremse.

Reifen quitschen. 20 Meter Bremsspur.

Paff! Voll hinten rein.

Zum Glück war hinter Cem keiner(Kein Wunder bei Cems Gasfuß).

Im Auto vor ihm sitzen zwei Mädels.

"Hasi...iiiir!" flucht Cem.

"Ulan, können die nicht fahren? Frau am Steuer, das wird teuer!" gibt Tekirdağlı seinen Senf hin.

Zack, zack, zack, zack. Vier türen öffnen sich fast gleichzeitig.
Cem steigt wütend und gereizt aus und... ach du dicke Scheiße!

Mihriban!

"Scheiße, scheiße, scheiße", denkt Cem und ist völlig konfus.

Mihriban ist noch geschockter.

Sie ist mit noch mehr Wut ausgestiegen, die Wut ist in Ratlosigkeit und Hilfslosigkeit umgesprungen.

Alles, hätte sie erwartet, nur das nicht.

Er sieht mit seinen braunen Augen in ihre riesigen blau- grünn Augen. Gefangen!

Sie genauso.

Da stehen sie sie nun und starren sich an, als ob sie tausend Jahre Zeit hätten.

Das Gefühl ist wieder da!

In Cems Bauch poltern wieder die Boing 747’s, Mihribans Herz schlägt wie ein Preßlufthammer, seins ist ihm in seine Hose gerutscht.


Ah Cem, ach Mihriban! Ikiniz de ayvayı yemişiniz...!

"Ey, ihr Küken, Führerschein auffer Kirmes gewonnen?"

Tekirdağlı unterbricht die wunderbare Stille mit seinen unnötigen Kommentar.

Ayşe ist immer noch benommen und unter Schock vom Aufprall.

Und was machen Cem und Mihriban?

Ja die beiden unschuldigen Seelchen in dieser ach so brutalen Welt starren sich immer noch an...

Fortsetzung Teil 9