Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Romeo und Julia, Leyla und Mecnun oder Ferhat und Şirin.

Wahrscheinlich kennt sie jeder. Und man denkt sich "hach, schön, doch leider nur ein Märchen..".

Aber, man glaubt es kaum, genau sowas passiert tagtäglich! Wo?

Hier in Deutschland ! Gleich um die Ecke! Ein guter Freund hat es mir erzählt, und ich erzähl sie jetzt euch ...

Tja, Baby, warum wohl?

Und in der Zeit, in der du dir Gedanken machst, klappert deine Mutter die ganzen Nachbarschaften ab
und erzählt, was für einen tollen Schwiegersohn sie doch hat, so perfekt, aber ihre Tochter verdient ja auch nichts anderes.

Derweil hat unsere Kante auf seinen wohlverdienten Schlaf verzichtet und sich mit ein paar Kollegen getroffen.

Auch so die Richtung Macho bis Barbar. Unter ihnen sind auch
Tekirdağlı und einer von Metins Männern.

"Naber Tekirdağlı, hazırmısın?"

"Moruk, ben her zaman hazırım,
wer die Schweine auch waren,
wenn einer sie alle macht, dann bin
ich das. "
"Okay, erst gehen wir ins Krankenhaus... und dann ... vernichten wir die Pisser!"

"Wer immer das auch war."

Auf geht‘s.

Cem, Tekirdağlı, Gaziantepli Murat G. (der macho-kingmäßige autoverkaufende angehende Ingenieur), zwei von Ayhan Abi´s Jungs und Rambo- Ramazans Bruder Ridvan.

Alle sind bereit.
Sie wollen herausfinden, welcher Grieche Rambo killen wollte- war‘s überhaupt
ein Grieche?- und ihn fertigmachen
(was immer das auch heißen mag).

Im VW International (Cems Powergolf von 1977) und dem nagelneuen 97‘er 5‘er BMW von Ayhan´s Jungs düsen sie los Richtung Krankenhaus.

Was macht Mihriban in der Zwischenzeit?

Die Ärmste hat sich in ihrem Zimmer verbarrikadiert und arbeitet an ihrer Englisch- Seminar- Hausarbeit.

Oder besser, sie versucht es, denn sie hat an drei Stellen aus Versehen Cem geschrieben.

Gemerkt hat sie es natürlich nicht.

Sie will es überhaupt nicht merken.
Sie will nur ihre Ruhe und lernen.

Das geht aber nicht,
weil ihre Mutter seit ein und einer halben Stunde am Telefon alle möglichen Tanten (in diesem Fall Nachbarn und Bekannte) anruft
und von ihrem super- hyper- töften Bräutigam schwärmt
(der eigentlich noch gar keiner ist).

"Jaaaa... BMW sürüyor, hemde kocaman ve siyah... Fabrika da Vorarbeiter mış... hepsinin başı...yaaa...

Türkiyede villaları var... bide yazlıkları.."

Neee!!!

Das hält Mihriban beim besten und stärksten Willen nicht mehr aus...

"hat mich überhaupt jemand gefragt?"
fragt sie sich leise, steht auf, schmeißt eine Haluk Levent CD in die acht Jahre alte Pioneer- Anlage ihres

älteren Bruders und dreht voll auf, so dass sie das Getratsche von Mama nicht mehr mitkriegt:

" Sevenler ağlarmış!!"
dröhnt Haluk Levents Stimme laut aber cool aus den Boxen.

Sofort klopft es auch schon an der Tür.

Die Mutter steht – das Telefon in der linken Hand- in der Tür und guckt, als ob Mihriban ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hätte.

"Was?" fragt Mihriban leicht lächelnd.

" Bu müzik ne böyle... ? Ben Telefon ediyorum...".
"Ben de üniversite için ders yapıyorum.

Senin konuşmadan hiç konsantrasyon yok... und überhaupt... mußt du allen Leuten erzählen, dass er dein Bräutigam ist?

Ich hab noch nicht ja gesagt..!"

Die Mutter hasst es, wenn Mihriban Deutsch spricht, denn dann versteht sie das meiste nicht und reimt sich einiges zusammen.

Genau wie in diesem Augenblick eben.

Aber auch wenn sie es verstanden hätte, am Resultat hätte sich nichts geändert. "

Sen ne diyorsun? Dilin o kadar uzadımı? Baban ne derse o olur!"

"Babam?, der hat damit so wenig zu tun, wie der Papst mit Kondomen," denkt sie sich. "
"Anladın mı? O kadar... iki iki dört!"
Tür zu, Mama Küche, Affe tot!

Oh... und Mihriban traurig.

Aber immerhin hat sie den Hörer jetzt aufgelegt.

"Schnell Ayşe anrufen... ich muss hier raus."

"Sevenler ağlarmış!" dröhnt es aus der Box.

Ah, ah, Mihriban... gerade du müsstest doch wissen, wie das mit den Eltern so läuft.

Weisst du denn nicht, dass die Hälfte der hen schief laufen, weil man (oder in diesem Fall frau) auf die Eltern hört und den angeblichen Verstand, der

in Wirklichkeit aber in den Leerlauf geschaltet worden ist von der Tradition und der Sturheit.
Wusstest du nicht, dass so viele Jungs einfach ihre sonst so große

Klappe keinen Millimeter öffnen, damit die Eltern sie jaaaa in Ruhe lassen,

dann nach ein paar Monaten (manche vor der Hochzeit) zu ihren Ex laufen und sich ausheulen, aber zu Hause ein

Putz- und Lustmaschine, beziehungsweise Gebärapparat haben, nur um ihren Namen zu erhalten (obwohl ihr Name es nicht verdient).

Dass viele Mädchen sich mit ein paar Goldstückchen, ein bißchen Gel in den Haaren und einem BMW Cabrio hingeben, ist auch keine Neuigkeit mehr.

Das weisst du doch alles, Mihriban?
Du weisst auch, dass es Mädchen gibt, die alles dafür tun (sogar sich monatelang verstellen), bloss um ins

Deutsche Großreich zu kommen, wo die Markscheine wie Blätter von den Bäumen hängen, wo jeder Mensch

reich ist, wo es keine Bettler und Penner gibt, wo in jeder Wohnung eine Heizung ist, und kein Holz mehr

gehackt und keine Kohle mehr gekauft werden muss; wo noch soziale Gerechtigkeit herrscht, wo man

jahrelang 1000 DM Kindergeld bekommt (und manche ´Babas´ sechs bis acht

Kinder nur wegen diesem abgefuckten Kindergeld ´machen´oder ´produzieren´ und sie ihrer Mutter
(die übrhaupt nicht gestresst ist), den sieben Geschwistern und dem Schicksal überlassen- hey, das ist ja fast wie inner Türkei!).
Ja, dieses Deutschland ist ja ein Paradies.

Den Erzählungen der Deutschländer nach auf jeden Fall.

Es gibt für jeden Arbeit, aber auch wenn man keine hat, ist es nicht so schlimm.

Das deutsche Großreich bezahlt die Leute ohne Arbeit.

Und wegen diesem Paradies verlassen die türkischen Türken ihr Türkei und werden glücklich (oder auch nicht).

Aber Mihriban, wie gesagt, nur die Hälfte der Mama- Pappa- gewollten-Ehen geht schief., die andere Hälfte wird glücklich... .

Hoffentlich gehörst du zu den glücklichen.
"Hallo, Ayşe... bist du alleine?"


"Wir wollen zu Ramazan Barışsever!

Welche Zimmer, welche Etage?"

Die Frau an der Pforte guckt verdutzt.

Vor ihr stehen sechs Macho- magandas (mit Ausnahme von Rıdvan- Rambos Bruder).

Leder- und Bomberjacken, schwarze Haare, dünne und dicke Schnurrbärte (bis auf Cem), Hände in den Taschen.

Fast will sie schon fragen:" Freund oder Feind?", aber dann kommt ein leises:"413".

Auf dem Weg sprechen alle durcheinander:

" Ulan, den typen f....n wir, den
amachen wir alle...- diese verdammten ellas,...- gebertcez bu yunanları...- und das wiederholt sich schon seit ihrem Zusammentreffen.
Cem und Rıdvan sind die einzigen Stummen.

Cem hat einfach keine Power mehr und Rıdvan weiß, wann er zu reden und wann zu schweigen hat.

Da! 413. Ridgie- so nennen sie alle Rıdvan- öffnet die Tür.

Als die Tür offen steht, verstummen alle Stimmen. Aus zwei Gründen wohlgemerkt.

Der erste ist der Anblick von Rambo.

Er sieht echt fertig aus.
Zig Kabel um ihn herum, Maske am Gesicht und seien Augen sind geschlossen.

Der zweite Grund ist der große Grieche (der wieder einmal cool auf seinem Chewing Gum kaut).

Etwas seitlich von ihm ist Vicky, die zuvor ihren Lover Fatih besucht hat.

Der Grieche dreht sich um, taxiert alle, bleibt dann bei Rıdvans Augen stehen.

"Die selben Augen wie der Bruder ", denkt er sich.
Die Magandas werden unruhig, was heißt werden, sie sind es schon die ganze Zeit.

Fäuste werden geballt. Beiderseits.
Die Nerven spannen sich.

Überhaupt liegt so viel Spannung in der Luft, dass man den Adrenalinanstieg förmlich riechen kann.

Auch Cem, der eigentlich nichts gegen Griechen hat, sondern jede gute Schlägerei mag und schätzt, ist wieder hellwach, und sein Herz füllt sich mit Hass.

Doch die griechische Kante bleibt hart und bewegt sich nicht von der Stelle
(er ist aber auch ein Tier, wahrscheinlich der größte Grieche von Deutschland- oder zumindest NRW).

Irgendwie kommt ihm die ganze Situation bekannt vor.

Wie ein Deja-Vu.

Klar- so ähnlich muss sich Fatih in seinem Bistro gefühlt haben; als einziger Türke unter Griechen.

Und genau wie dort ist es auch hier
die Frau, die alles zum Laufen bringt.
Sie springt hoch- geht zu Cem, guckt ihn supergiftig an, als wollte sie ihm die Schuld für alles geben.

"EY! Was soll das werden... wollt ihr euch hier auch prügeln... der Junge stirbt, und ihr macht einen auf Männlichkeit und Macho.

Bringt euch doch gegenseitig um, mir doch egal... aber nicht jetzt, das ist bei Gott nicht der Zeitpunkt für solche Albernheiten und Muskelspielchen.

Da dreht sich die griechisch Kante zu ihr um mit einem heftig bösen Blick, frei nach dem Motto:" Leise! Mädchen!".

Doch sie hat nur Wut und gleichzeitig Trauer in ihren Augen:

"Was?!"

schreit sie ihn an und wütet auf griechisch weiter.

Dann geht sie langsam auf Ridgie zu...

Fortsetzung Teil 8