Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Romeo und Julia, Leyla und Mecnun oder Ferhat und Şirin.

Wahrscheinlich kennt sie jeder. Und man denkt sich "hach, schön, doch leider nur ein Märchen..".

Aber, man glaubt es kaum, genau sowas passiert tagtäglich! Wo?

Hier in Deutschland ! Gleich um die Ecke! Ein guter Freund hat es mir erzählt, und ich erzähl sie jetzt euch ...

Cem, Cem, Cem! Paß bloß auf dein Leben auf.

Das könnte sich alles zu einer griechischen Tragödie entwickeln.

Apropos griechisch.

Was macht eigentlich Fatih in dem griechischen Café?

Während Cem und Rambo Mihriban aufsuchten, hat er sich an sein Mädchen rangemacht.

Vicky heißt sie und sieht verdammt
gut aus.

Aber irgendwie gefiel das einigen Griechen nicht.

Vicky und Fatih sitzen gemütlich in einer stillen Ecke.

Aus den Lautsprechern dudelt
typische griechische Popmusik (genauso typisch wie typische
türkische Popmusik).
Gerade hat er seine Hand auf die ihre gelegt und schaut sie mit seinen großen blauen Augen an (überhaupt sieht er nicht aus wie ein ´typischer´ Türke), da fällt eine Hand auf seine Schulter.

Das Mädchen schaut hoch und ihre Augen werden größer.

Fatih dreht sein Gesicht und erblickt den größten Griechen, den er je gesehen hat.

"Und?" fragt er den Kaugummi kauenden Gorilla.

"Bis hierhin und nicht weiter, Kollega. Es gibt Grenzen."

Sein Chewing Gum kaut er gelassen weiter.

Fatih antwortet so cool er nur kann:

"Wenn du ´n Problem hast, sag‘s mir."
Und er guckt ihm dabei direkt in die Augen.

Der Grieche flüstert ihm ernst zu:

" Hör ma! Mir ist das egal, mit wem
du rummachst.

Aber es gibt hier einige Leute, die
haben‘s nicht gern, wenn einer wie
du mit ihr rummachst."

Jetzt greift Vicky in das Geschehen
ein und labert ihn auf Griechisch zu.

"Ich kann zum Freund haben, wen
ich will!"

hängt sie zum Schluß noch dran.

Aber den Typen scheint das gar
nicht zu stören.

Er glotzt weiter auf Fatih, kaut sein Kaugummi und flüstert: "Das sind Stammgäste...du verstehst schon...also tu mir den Gefallen,
sei ein artiger Türke und mach‘n Abgang".
In Sekundenschnelle überlegt Fatih, was wohl gesünder und klüger wäre.

Entweder prügelt er sich und verliert ein paar Zähne (er weiß, daß er keine Chance hat), oder er versucht zu reden und verliert auch (nämlich sein Ansehen bei Frau, Feind und Freund [alter Machospruch aus der Entstehungszeit des Machoismus]).

"Komm schon filos, sag deinen Kunden, daß alle Menschen gleich sind.

Daß ich genauso mein Geld bezahle wie er, daß ich zwei Augen und eine Seele besitze wie..."
"Ach malaka, komm mir nicht mit dieser Wir-sind-alle-Brüder-scheiße!"

Eigentlich will Fatih keinen Ärger.

Er ist eher der Intellektuelle Türke, der oberintegrierte, der "Alle-Menschen-sind-gleich"- Türke.

Er guckt den Kaugummi kauenden Griechen an (entweder ist das echt
der Ladenbesitzer oder hier läuft ein verdammt krummes Ding ).

Dann sieht er Vicky an und erkennt, daß sein Stolz ihn noch umbringen wird.

"Ela malaka kolonis!!!"

schreit Fatih den menschlichen
Bären an.

Die Kante stutzt nur, das Mädchen lächelt und hinten springen ein paar weitere Griechen von ihren Stühlen.
Tak!!! Verpaßt Fatih der Kante eine Kopfnuß und anschließend einen Tritt gegen daß Schienbein.

Das Kaugummi fällt aus seinem Mund, die Nase blutet und das Volk ist aufgebracht.

Blitzschnell packt Fatih Vicky an ihrem Handgelenk und läuft los.

Nur knapp zehn Meter trennen ihn vom Ausgang.

Bloß nicht nach rechts und nach links schauen!

Hauptsache raus! Nur drei Meter und dann...

.. ja dann stehen zwei Kanten vor ihm und einer hinter ihm.

Der hintere zieht das Mädchen weg und die beiden anderen verarbeiten ihn zu Brei.

Fatih kriegt nichts mehr mit.
Die ersten zwei Schläge hat er noch kommen sehen.

Aber an den Rest ... Gespürt ja - gesehen nee.

Dann mit einem Mal geht die Tür auf.

Und ein kleiner haariger wild gewordener Rambo- Ramazan springt rein.

Verpaßt dem einen Side- Kick (Yop-Chagi für die Tae Kwon Do- Anhänger
da draußen).

Der Überraschungsmoment war günstig für Rambo.

"Ulan, sizden hırsımı alırım!" und tritt wie ein Weltmeister auf den anderen.

Der dritte Grieche will auf Rambo, doch der zieht einen Schnacker und fuchtelt damit rum.

"Ist gut jetzt!" schreit er..."wir verziehen uns".

In der Menge sitzt ein junger Mann, der den Kopf schüttelt, aufsteht und irgendwie verschwindet.
" Gamoto! Nimm deinen Freund, verzieh dich und laß dich hier nie wieder blicken, gamisu malaka!!!"

sagt die Kante, die das Kaugummi jetzt nicht mehr kaut.

Rambo begreift schnell, sagt nichts... zieht Fatih hoch und schau das Mädchen böse und giftig an

"Senin yüzünden", sagt er auf Türkisch und will gehen.

Als ob sie es verstanden hätte, packt sie Fatih von der anderen Seite und sie gehen raus.

Trakk! Die Tür fällt zu. Die Griechen bleiben unter sich – genau wie die Türken.

Der riesige Grieche schreit die anderen an, was das sollte.

In seinem Laden gibt es keine Schlägereien.

"Aber... er hat dich angegriffen... ."

"Nix aber... das war das Vernünftigste, was er tun konnte.
Ich habe es dazu kommen lassen – wegen dem Mädchen."

Urplötzlich kommt Vicky rein gerannt.

Sie heult aufgeregt und schreit auf Griechisch:

"Schnell einen Krankenwagen!

Jemand hat dem anderen Türken ein Messer in den Bauch gerammt!"

"Jetzt ist der andere awavtiste (Ungetaufter) nicht alleine im Krankenhaus..." bemerkt einer von
den Schlägern.

Paff!!! kriegt er eine Faust von dem Ladenbesitzer.

"Schnell... das Telefon!"

Es regnet. Rambo ist verletzt und im Krankenhaus.

Fatih auch.

Cem ist auch verletzt, aber auf eine andere Weise.
Und was ist mit Mihriban?

Was geht im zweiten Stock des Hoesch- Türken- Gebäudes ab?

Gleich nachdem die Mutter sie von ihrem Fenster weggeholt hatte, fängt ihr Herz an zu rasen.

Nicht vor Freude. Weiß Gott, nein!

Es ist so ‘ne Mischung aus Wut und Trauer, und vielleicht doch eine Prise Neugier.

Trotzdem weiß sie irgendwie, daß sie ihn (also den schleimigen Bekir) nicht will.

Sie weiß noch gar nicht, daß ausgerechnet Bekir um ihre Hand anhält.

Sie kennen einander schon länger.

Er hat sie schon früher angebaggert.
Auf dem Schulhof, als Bekir in der neunten Klasse war, hat er sie immer belästigt.

Er hat seinen Freunden immer erzählt, das Mihriban seine Freundin sei, damit sie Mihriban ja in Ruhe lassen und
bloß nicht anbaggern.

Irgendwann hat Ahmet, der ältere Bruder Mihribans, das rausgekriegt
und wollte das regeln.




Da bestreitet dieser Schleimbeutel einfach alles und verdreht das Ganze auch noch zu allem Übel.
"Ağabey, o benim bacımdır.
Wer sie schief anguckt, kriegt‘s mit
mir zu tun!"

Verlogene Ratte! Und Schleim hört sich im Ohr immer gut an.

Und Ahmet war da keine Ausnahme.

Aber gerade deswegen ist Ahmet heute ziemlich mißtrauisch.

Davon und von der Geschichte vor sieben Jahren weiß Mihriban gar nichts.

Sie wartet, bis sich das Gerangel im Flur gelegt hat, die Leutchen alle ins Wohnzimmer getrabt sind.

"Allahım, ya sabır ver, hoffentlich hauen die schnell wieder ab".

Nach dem traditionellen Gelaber, daß jeder jeden nach dem Wohlbefinden gefragt hat, bei zehn Leuten also p (pi) mal Daumen ca. hundert Mal, geht Mihriban unruhigen Schrittes in die Höhle des Löwen, bzw. des Geiers.
Als sie durch die Tür schreitet, sagt Mihribans Herz zu ihr:

"Benimm dich wild, zieh ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter, mach
ein böses Gesicht.

Keiner hat dich gefragt!"

Aber der Verstand sagt ihr:

"Annen, baban burada, blamier die
und dich nicht.

Was werden die Leute von
dir denken?"

Bevor sie rein geht, schaut sie sich vorsichtig um.

Ihre Eltern, ihren Bruder, dann der andere Bruder und eine nähere Bekannte der Familie. Dann auf die Gegenseite.

Die Tochter, eine nähere Bekannte der Familie, die potentielle Schwieger-
mutter, den potentiellen Schwieger-
vater und dann... er! Bekir.

So wie er da sitzt, sieht er aus wie ein Engel.
Teurer Anzug, teure Uhr, teures Gesicht.

Mihriban staunt:
"Hmm, der sieht ja wirklich gut aus .."

Apropos Denken. Wer weiß, was jeder für sich denkt.

Sehen wir mal in ihre Köpfe hinein.

Also da ist Mihribans Mutter:
"Ay... ne kadar yakışıklı, mal mülk sahibi."

Bekirs Mutter:
"Hmmm... güzel kız, dantel örüyor mu acaba?"

Ahmet:
"Ulan Bekir, was ziehst du hier ab, yalancı herif!"

Alev, Bekirs Schwester:
"Warum mußten die mich mitnehmen, die gucken nicht mal Fernsehen."
Mihribans Vater:
"Yahu... bunlar gitse de kahveye gitsem."

Bekirs Vater:
"Babası acaba 51 oynar mı?"

Orhan, der jüngere Bruder Mihribans:
"Hey, die sieht richtig gut aus. Hele aileler bir tanışsın. Dann gehe ich mit
ihr aus."

Die beiden Bekannten beider Familien denken nichts.

Sie sind die einzigen, die ununterbrochen quatschen bzw. das Zusammentreffen aufrecht erhalten.

Und Mihriban und Bekir?

Was denken sie?

Mihriban... tja, sie hat sich wieder schnell gefaßt und will bloß, dass die Meute schnell wieder verschwindet. Aber plötzlich lächelt sie.

Sie kennt Bekirs Schwester und mag sie .

Und was denkt Bekir?

Hmm... seine Gedanken werden hier nicht niedergeschrieben, weil die Geschichte noch teilweise anständig bleiben soll.

Pfui Bekir, Pfui!!!

Und was macht unser Held derweil?

Der sitzt immer noch vor dem Haus. Natürlich im Auto, da er ja nicht nass werden will.

Eine Kippe nach der anderen hat er in sich hinein gesaugt.

Die Augen kleben nur an ihrem Fenster oder aus der Haustür.

Immer wenn sie aufgeht, schlägt sein Herz wie eine Nähmaschine auf der schnellsten Stufe.
Da! Jetzt geht die Tür schon wieder auf.

Nee... wieder nix, nur ‘n kleiner Fuzzi.

"Ulan daha ne kadar sürecek bu olay."

O Cem , was ist nur los mit dir?

Dein Herz schlägt, doch der Verstand bleibt still.

Keine Ratio mehr, keine Vernunft und kein logisches Handeln. Ach Cem, das wird eh nicht gutgehen.
Kız Konyalı, durch und durch Sunni.

Und du bist ein Anhänger Ali‘s.

Zumindest deine Eltern. Und du schiebst dich auch in diese Schublade.

Obwohl dir das im Augenblick so was von egal ist, obwohl du im Augenblick nicht weißt, wo oben und unten ist. Diese Liebesgeschichte ist zum Scheitern verurteilt.

Er verliebt sich abgöttisch in sie, sieht nicht rot, sieht nicht grün, sondern nur lila.


Fortsetzung Teil 5