Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Romeo und Julia, Leyla und Mecnun oder Ferhat und Şirin.

Wahrscheinlich kennt sie jeder. Und man denkt sich "hach, schön, doch leider nur ein Märchen..".

Aber, man glaubt es kaum, genau sowas passiert tagtäglich! Wo?

Hier in Deutschland ! Gleich um die Ecke! Ein guter Freund hat es mir erzählt, und ich erzähl sie jetzt euch ...

Nachdem sich alle beruhigt haben,
geht Fatih vor, dann Rambo und als größter und stabilster Cem hinten
dran.

Mann, da sind wirklich ein paar Griechen, die schief gucken.

Ist eigentlich auch kein Wunder.

Unsere drei Helden haben die üblichen 350 Gramm Gel auf den Haaren, die schwarzen Lederjacken, Cowboystiefel und typische Goldkettchen mit typischen Symbölchen.

Rambo hat ´nen Wolf, Fatih eine Taube und Cem ein Alischwert.

Hinzu kommt noch der übliche Gillete-unter-den-Achseln-Gang.

Und der typische Türken-Todes-Blick.

Aber es passiert nichts.

Nach einer Weile bleibt Fatih stehen.
"O.k.....O...kırmızı saçlı."

Uff! Rambo bekommt große Augen.

"Whooah..mann, die sieht ja echt geil aus...was ´ne Theke.."

Cem sagt gar nichts, sondern steht nur da.

"Mannomann, den hats echt erwischt", denkt Rambo sich, aber läßt sich nichts anmerken.

Fatih geht zu Cem.

"Ich geh ma rüber, bleibt hier und schaut ´n bißchen böse in die Menge."

Gesagt, getan.

Fatih geht zur Rothaarigen und fängt mit ihr zu quatschen an.

Cem und Rambo setzen sich an einen Tisch und machen den Böse-Türken-Blick in die Menge.
"Ulan Cem, söylesene yahu.. n´oluyor sana son günlerde...?"

"Yok bişey..!"

"Ist es wegen der Konyalıs..mach dir darüber keine Sorgen!"

"Nein mann,
wer sind
die schon"!

"Aber die Schwester...hä?!"

Plötzlich schaut
Cem mit roten
Augen hoch, direkt in Ramazans Gesicht.

"Aha..alles klar..."

"ey..das Mädchen ist doch kein Problem..!"

"Ah..und John Wayne war in Wirklichkeit ein schwuler Engländer...
ey, morgen willse mir erzählen, daß Elvis ´n Türke war oder die Inflation inner Türkei sinkt...?!"

Stille. Drei Sekunden.

Zwischen den beiden natürlich.

"Alter, willste mich verarschen?..nah, köküne kadar aşıksın...ulan, suratından belli be..!"

Jetzt wird Cem sauer, es ist jedesmal an seinem Blick zu erkennen.

Und Rambo kennt diesen Blick sehr genau.

"Hey aga, aşık olmak günah değil..", und legt dabei seine rechte Hand auf Cems Schulter.

"Das ist das natürlichste der Welt...und das schönste...was meinst du, wie oft mir das passiert...?"
Cem ganz leise :"Mir noch nie..."

Doch dann ernster und lauter:"

aber ich hatte schon genug Weiber...vallah!!"

"Hey , Bruder ..du mußt nichts beweisen.

Sen sınıfın en güzel kızını kandırdın lan...’

"Ja, Britta ..", lächelt Cem " aber diesmal ist es anders...ich meine, ich hatte nichts mit ihr, keinen Kontakt, gar nichts..."

"Und wie, sie hat dir die Backpfeife deines Lebens gegeben",
denkt Rambo sich, doch er hütet sich, den Gedanken auch nur zu flüstern.

"Ich meine....ich kenne so was gar nicht ... weisse, so´n eigenartiges Gefühl ...
is scheiße, echt, weisse .. und nachts, alter...ey, warum.. ich kann nicht
schlafen ....
ehrlich man, die ersten Tage gar nicht, und jetzt zwei, drei Stunden pro beschissener Nacht.

Auffer Arbeit komme ich mit den Kartoffels nicht klar, kann nicht mehr so gut arbeiten, kafam sakat anlacağın..."

Dann senkt Cem seinen Blick und flüstert:

"Ich sehe nur noch ihr Gesicht..."

Stille, dann packt er Rambo am Kragen

"Verstehst du Mann, ich seh nur noch sie...alles andere ist mir scheißegal..."
"Ist ja gut", antwortet Rambo-Ramazan und befreit sich von dem Griff.

Er schaut zu Fatih und sieht, daß der sich ganz gut amüsiert.

"Weißte was, Bruder...wir gehen jetzt deine Perle suchen..."

Rambo will aufstehen, doch Cem
packt ihn:

"Emin misin...ya gururum...?"
Rambo antwortet cool mit verzogenem Gesicht:

"S....r et onu, aşk olduğu yerde gurur olmaz...aşka gurur girerse ...inan bana..- o zaman o aşk ölür...und willst du das?"

"Und Fattih?"

"Schau doch mal, dem geht es doch ganz gut."

Jetzt steht Cem als erster und mit seiner für ihn typischen stoischen und lässigen Weise sagt er nur ein Wort:

"Haydi!"

Und los geht’s...der Kampf kann beginnen!
"Mihriban!"

"Mihriban, haydi kız nerdesin?"

Mihribans Mutter hat einen Löffel in der einen Hand, in der anderen den Salzstreuer.

Das ist wieder ein typischer Sonntagmittag .

Der einzige freie Tag in der Woche, Besucher strömen in Herden, die Familie genannt wird, rein.

Hoş hatır sorulur...ehh...daha
nasılsınız?

Mihriban will einen Tag Ruhe haben, doch es geht nicht.

Natürlich gibt sie nichts zu. Sie will ja niemanden kränken.

"Geldim...tuvaletdeydim anne!"

”Tamam şunu bir karıştır, ben böreklere bakayım..."

"Böreklere ben de bakarim."

Die Mutter guckt leicht verwirrt.
"Kızım, son haftalarda sende bir değişiklik var."

"Yoo...üniversite..." "Tamam, anladım, okulun var,üniversite kolay değil...ama bugün misafirimiz var..."

Das Mädchen schaut verdutzt, nimmt ihr aber sogleich den Löffel ab.

Nach einer langweiligen Stunde in der Küche will sie auf ihr Zimmer.

"Nereye..?" fragt die Mutter.
"Ders çalışmaya..."

"Bak kızım...bugün misafirimiz var,
sen azcık üzerini değiştirsen...”

Nun wundert Mihriban sich doch ein bißchen.



"Anneeee...kim gelcek ki bugün?"

Die Mutter läuft leicht rot an:

"Bak kızım, yaşın geldi..."

"Was!?" unterbricht Mihriban, die
sich denken kann, was nun kommt.

"Ne demek istiyorsun?"

"Bugün Veli amca gelicek..."

"Haa..,iyi, ben de başka bir şey sandım."

"Ama misafir getirecek.."
"Ne!?!" wiederholt Mihriban geschockt.

"Sana görücü gelcek.."

Mihriban läuft rot an, kann sich nicht beherrschen, schluckt mehrmals hintereinander.

"Ich will die Uni beenden, ich will noch nicht heiraten...das könnt ihr nicht machen..."

"Ama kızım... yaşın geldi..."

"Das hat nichts mit Alter zu tun, Mamma!"

"Ben senin yaşındayken ağabeylerin dünyaya gelmişti, ben baban ile tanımadan evlendim..."

"Das war damals , und heute ist heute....die Zeiten ändern sich."

Die Mutter guckt nur stur.

Mihriban sagt gar nicht, doch ihr Gesicht umso mehr.

Die Augen werden feucht, ihre schönen vollen Lippen zittern und sie errötet leicht im Gesicht.
Nach dem Gespräch geht sie auf ihr Zimmer.

Warum mußte das sein?

Bisher war sie immer brav gewesen
(bis auf die heimliche Zigarette im Alter von zwölf und einem Totalabsturz mittels Alkohol auf der Abschlußfahrt in London, wo sie nur nach sechsmaligem Betteln und zigfachem nett-sein-zu-dem-Vater mitdurfte).

Aber sonst nichts Unanständiges (in den Augen ihrer Eltern);

keinen Freund, keine Disco, keinen Alkohol etc. etc.

Und jetzt sowas.! Sie soll mit Mr. Unbekannt verheiratet werden.

Gegen ihren Willen.

"Kimbilir hangi dağdan inen bir ayı ,"

denkt sie in ihrem Frust und vergißt Freunde von sich, die auch glücklich geheiratet haben –
auf die traditionelle Art.
Tja- kann aber nicht bei jedem klappen.

"Die wollen doch nur nach
Deutschland -

heiraten dich, sind die ersten drei Monate nett, und danach machen sie mit deutschen Blondinen rum".

Dabei schaut sie ihre eigenen Haare an, während sie mit dem Spiegel spricht.

"Nee nee...nicht mit mir...studiere ich deswegen...um mein Leben lang unglücklich zu werden.

Ich will doch auch heiraten, aber jemanden, den ich liebe..."

Doch was ist Liebe?

Sie stellt sich diese Frage, denn sie war ja bis jetzt noch nicht verliebt...
oder doch?

Und Mihriban weint leise....
In der Zwischenzeit ist unser Held mit Rambo aus dem Cafe abgedüst. Augenkontakt zu Fatih (der im übrigen so ein breites Grinsen hat, daß er eine Banane quer schlucken kann) – und weg.

"Hast du Fattih gesehen, der konkurriert mit Mick Jagger....lan, der ist in derselben beschissenen Lage wie du, verliebt über beide Ohren ...

aber (dabei guckt Rambo die Griechin an)...mann, bei der Frau, laaaan, böyle meme hiç görmedim, of anam of..."
Cem bleibt cool.

Was auch sonst. Für ihn ist das nichts neues mehr.

Aber tief im Innern ist er unruhig -

dort ist etwas, was er nicht kennt, nie kennenlernen wollte;

was aber trotzdem ein geradezu unheimliches Glücksgefühl vermittelt.

"Sen sür arabayı, ben düşünmeliyim,

sagt Cem zu Rambo und schmeißt ihm den Schlüssel zu.

Der packt ihn und sagt:

"lan Cem, du weißt, ich hab keinen Führerschein!"

"Kann‘se fahren ?"

"Klar, man..!"

"Haydi o zaman."

Und Rambo färt den 77er Golf, als wär’s sein eigener.

”Nereye gidiyoruz, şoför bey...du hattest die Idee...also Ramazan, was nu? "

Fortsetzung Teil 3